Haustiere können gefährliche MRSA-Bakterien übertragen
Staphylococcus aureus sind weit verbreitete und teilweise gefährliche Bakterien, die beim Menschen unter bestimmten Umständen zu Hautinfektionen (Furunkeln, Abzessen), einem toxischen Schock-Syndrom, Blutvergiftungen oder zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Lungenentzündung führen können. Viele Menschen „beherbergen“ die Bakterien, und meist lösen sie keine Krankheitssymptome aus. Nun hat eine neue Studie ergeben, dass auch Katzen diese besonders widerstandsfähigen Bakterien auf Menschen übertragen können.
Bestimmte Staphylokokken-Bakterienstämme sind deshalb so gefährlich, weil sie Resistenzen gegen mehrere Antibiotika wie Oxacillin bzw. Methicillin entwickelt haben – bekannt geworden sind diese Bakterienstämme unter dem Kürzel MRSA (= methicillinresistenter Staphylococcus aureus). Sie können aufgrund ihrer Antibiotika-Unempfindlichkeit sehr schlecht oder gar nicht bekämpft werden.
Eine Forschergruppe um Andreas Sing vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beschreibt im „New England Journal of Medicine“ (Bd. 358, S. 1.200; 13.03.2008) den Fall einer ansonsten gesunden Frau, die an einer schweren Hautinfektion mit tiefen Abszessen litt, verursacht durch MRSA. Trotz mehrfacher Antibiotika-Behandlung besserte sich ihr Zustand nicht. Dagegen waren ihr Ehemann und die beiden Kinder, die zunächst ebenfalls MRSA-positiv getestet worden waren, ohne erkrankt gewesen zu sein, nach der Behandlung bakterienfrei.
Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler die drei Hauskatzen der Familie, und tatsächlich: Bei einer der Katzen entdeckte man denselben MRSA-Erreger wie bei den Familienmitgliedern und der erkrankten Frau. Ein Tierarzt behandelte anschließend die Katze mit Antibiotika und die Bakterien verschwanden, woraufhin auch die Hautinfektionen der Frau abheilen konnten. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass Hauskatzen offenbar Überträger der gefährlichen MRSA-Bakterien sein können, auch wenn sie scheinbar völlig gesund sind.
Unklar bleibt, ob die Katze die ursprüngliche Quelle der Infektion war oder sie sich zunächst bei den Menschen angesteckt hatte und die Bakterien dann wieder rückübertragen wurden. Denn in der Wissenschaft sind auch Fälle beschrieben, in denen sich Haustiere beim Menschen mit MRSA-Bakterien angesteckt haben.
Katzen sind im Übrigen nicht die einzigen Haustiere, die die robusten MRSA-Bakterien auf den Menschen übertragen können. Es ist belegt, dass auch Hunde Überträger sein können. Außerdem können Pferde und Schweine MRSA-Bakterien-Träger sein. Erst kürzlich wurden bei einer Stichprobe der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in 28 von 40 untersuchten Schweinemastbetrieben MRSA-Bakterien gefunden. Auch 7 von 53 Familienangehörigen der Untersuchten wurden positiv auf Schweine-MRSA getestet, obwohl sie keinen direkten Kontakt zu den Tieren hatten, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Epidemiologischen Bulletin 18/2008 (S. 142).
Übertragen werden die langlebigen Staphylokokken-Bakterienstämme durch den Kontakt mit Haut oder Speichel. Bislang trat der Erreger vor allem in Krankenhäusern auf. Jährlich sterben bundesweit schätzungsweise 1.500 Menschen daran. Mittlerweile wächst allerdings die Zahl der außerhalb von Klinken erworbenen MRSA-Infektionen signifikant.
Quelle: Pressemitteilung Deutsches Grünes Kreuz – Tier und Gesundheit (animal), Jg. 22, 2 – 2008
weitere Quellen:
Andreas Sing, M. D., Christian Tuschak, Ph. D., Stefan Hörmansdorfer, Vet. D., Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus in a Family and Its Pet Cat, in: New England Journal of Medicine, 2008; 358: 1200-1201, http://content.nejm.org/
Katzen können antibiotikaresistente MRSA-Bakterien übertragen,
in: animal-health-online, 16.03.2008, www.animal-health-online.de/
Staphylokokken-Erkrankungen: MRSA in Deutschland 2005/06 – Situationsbericht des NRZ, Epidemiologisches Bulletin 6 / 2007, www.rki.de/
Schweine häufig mit MRSA infiziert, Ärzte Zeitung online, 05.05.2008, www.aerztezeitung.de/
MRSA: Führt die weite Verbreitung der nasalen Besiedlung bei Schweinen zur Übertragung auf den Menschen?, Robert Koch-Institut: Epidemiologischen Bulletin 18/2008, www.rki.de/
























Gil Starks schrieb am 25. Mai 2011 um 06:31 Uhr
Ich habe auf dieser Seite gelesen, dass die Ehec-Erreger sonst meist junge Meschen befallen, aber die aktuellen EHEC Bakterien verstärkt in Norddeutschland Frauen infizieren. Ich bin ein wenig durcheinander, weil eine Infektion von Mensch zu Mensch möglich ist. Da ich in Kiel lebe und eine Frau bin, bin ich im Moment verängstigt. Sind diese Ehec-Bakterien wirklich so gefährlich?